Kleine Schnitte mit großer Wirkung

Pressemitteilung vom 29.03.2007
Yeung-Methode zur Behandlung von Leistenbrüchen bei Kindern erstmals in Deutschland eingesetzt

Leipzig – Drei winzige Löcher, ein komplizierter Name und große Erfolge: An der Uniklinik Leipzig gibt es seit kurzem eine neue Behandlungsmethode bei Kindern mit Leistenbruch. Hinter dem Fachbegriff „minimal-invasive Chirurgie – Yeung-Methode“ verbirgt sich ein spezielles Verfahren, mit dem die so genannte Leistenhernie, also der Leistenbruch, verschlossen wird. Der Clou dabei: die Wahrscheinlichkeit, dass der Bruch erneut aufreißt, ist – im Gegensatz zu herkömmlichen Verfahren - äußerst gering.


Etwa eins von eintausend Kindern kommt mit einem Leistenbruch zur Welt. Professor Dr. Holger Till, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie des Universitätsklinikums Leipzig, erklärt: „Beim Leistenbruch handelt es sich um einen angeborenen Defekt in der Bauchwand im Bereich des Leistenkanals.“ Die Bauchwand hat sozusagen ein Loch, durch das die inneren Organe Richtung Außenhaut gedrückt werden können. Das führt zu Schwellungen und unerträglichen Schmerzen im Bereich der Leiste.


Um solch einen Defekt zu behandeln, gibt es nur eine Möglichkeit: eine Operation. Von allein verschließt sich das Loch nicht. Bisher wurde bei der Therapie ein etwa 2 Zentimeter langer Schnitt vorgenommen und der Leistenbruch so von außen zugenäht.


„Diese Methode hat jedoch ein Problem: Bei etwa 10 bis 15 Prozent der Kinder treten beidseitige Leistenbrüche auf“, so Professor Till. Das heißt, sowohl auf der rechten als auch auf der linken Bauchseite ist das Gewebe gerissen. Bei der bisherigen Operation kann man das nicht erkennen.


Die minimal-invasive Chirurgie hingegen bietet den großen Vorteil, dass der Eingriff von innen vorgenommen wird. Dazu wird zunächst durch den Bauchnabel ein Laparoskop eingeführt. Dabei handelt es sich um ein optisches Instrument, mit dessen Hilfe die Bauchhöhle von innen eingesehen werden kann – die so genannte Bauchspiegelung. Zudem werden noch zwei winzige Schnitte in der Gegend des Leistenbruchs vorgenommen, durch die die Nähinstrumente eingeführt werden. Gerade einmal 3 mm sind diese Operationsinstrumente schmal. Mit den Operationsnadeln werden nun die Ränder des Gewebeloches hochgeschnürt. Dieses Verfahren kann man sich in etwa so vorstellen, als ob ein Beutel oben zugehalten und dann mit einem Band fest umschlossen wird.


Ist der Leistenbruch auf einer Seite verschlossen, können die Mediziner mit der Minikamera von innen auch noch die andere Bauchseite kontrollieren. Tritt auch dort ein Gewebeloch auf, wird es in ein und derselben Operation behandelt. Dafür ist lediglich ein weiterer 3-mm-Schnitt nötig. Ganze zehn bis 15 Minuten dauert dieser Eingriff, der bei der Behandlung von Kinder-Leistenbrüchen bisher einmalig in Deutschland ist. Die ambulante Therapie ermöglicht es den jungen Patienten, schon am Abend wieder zu Hause zu sein. Von den winzigen Narben bleibt nach ein paar Wochen kaum noch etwas zu sehen.


Mitgebracht hat Klinikdirektor Till das minimal-invasive Verfahren aus Hongkong. Dort hat der Leipziger Kinderchirurg eineinhalb Jahre beim weltweit renommierten Wissenschaftler Professor Yeung an der Chinese University gearbeitet. Dieser setzt die Therapie schon seit vielen Jahren äußerst erfolgreich ein. Über 500 Patienten wurden bereits behandelt. Andere laparoskopische Verfahren, die beispielsweise nur eine Z-Naht benutzen, scheinen der neuen Methode deutlich unterlegen.


Auch in Leipzig kommt das Verfahren nun standardmäßig zum Einsatz. Etwa 10 bis 15 Kinder pro Woche werden zukünftig mit Hilfe der minimal-invasiven Chirurgie therapiert. Die Kosten dafür übernehmen die Krankenkassen.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.