Depression ist ernst zu nehmende Krankheit

Pressemitteilung vom 28.03.2007
Neuer Direktor der Klinik für Psychiatrie widmet sich in Antrittsvorlesung dem Thema Depression – Depression bei alten Menschen besonders häufig

Depressionen zählen bei älteren Menschen zu den häufigsten Erkrankungen. Wie Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie des Universitätsklinikums Leipzig in seiner Antrittsvorlesung am Mittwoch ausführte, ist in diesen Fällen das frühzeitige Erkennen dieser psychischen Erkrankung besonders kompliziert, da häufig körperliche Begleiterkrankungen bestehen. Diese stünden für die Betroffenen oft im Vordergrund. Deswegen würden gerade Altersdepressionen beim Hausarzt nicht selten übersehen. Hegerl, der auch Sprecher und Koordinator des bundesweiten „Kompetenznetzes Depression“ ist, wies jedoch darauf hin, dass die sichere Erkennung einer depressiven Erkrankung bei älteren Menschen bei sorgfältiger Untersuchung möglich sei: „Es ist wichtig, die Depression von Befindlichkeitsstörungen oder gedrückter Stimmung bei Verlusterlebnissen oder schwierigen Lebenssituationen abzugrenzen“. Folgende Krankheitszeichen seien hier oft wegweisend:

  • Die völlige Unfähigkeit, irgendeine Freude zu empfinden, auch bei positiven Nachrichten oder wenn z. B. das Enkelkind zu Besuch kommt.
  • Schuldgefühle, etwa in der Art, sich nur als Belastung für die Familie oder das Gesundheitssystem zu sehen.
  • Für Außenstehende völlig übertrieben erscheinende Befürchtungen, wie z. B. völlig verarmt zu sein, unheilbar erkrankt zu sein, obwohl dies medizinisch nicht belegt ist oder schwere Schuld auf sich geladen zu haben. Diese Befürchtungen können sich zu festen Überzeugungen auswachsen. Dann wird von einem depressiven Wahn gesprochen.
  • Depressive Erkrankungen zeigen häufig Tagesschwankungen, wobei vor allem die Morgenstunden als besonders quälend empfunden werden.
  • Frühere depressive Krankheitsphasen können auf eine auch jetzt bestehende depressive Erkrankung hinweisen.
  • Drängende Suizidgedanken sind immer ein sehr ernst zu nehmendes Alarmsignal und häufig Zeichen einer schweren depressiven Erkrankung.


Wichtig zu wissen sei, dass Depressionen auch bei alten Menschen gut behandelbar sind, auch wenn diese bereits verschiedenen Medikamente zur Behandlung anderer Leiden einnähmen. In diesen Fällen, so Hegerl, müsse man jedoch die Medikamentenwechselwirkungen sehr genau berücksichtigen.


„Die Behandlung der Depression ist bei älteren Menschen oft sehr dringend, da Depressionen bei alten Menschen besonders bedrohlich sind. Das Suizidrisiko ist höher als bei jüngeren Menschen. Das gilt in ganz besonderer Weise für ältere Männer“, erklärt der Psychiater. Auch sei die mit einer depressiven Erkrankung einhergehende körperliche Belastung durch Stress, durch Appetitverlust mit fehlender Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme oder durch Rückzug ins Bett besonders gravierend.


Da depressiv Erkrankte meistens so gut wie immer hoffnungslos sind und sich von einer Behandlung keine Besserung versprechen, ist es oft sehr wichtig, dass die Angehörigen die Initiative ergreifen und für eine konsequente Behandlung sorgen. So könnten sie z. B. einen Termin beim Hausarzt oder Nervenarzt/Psychiater vereinbaren und dafür Sorge tragen, dass der Patient den Termin auch wahrnimmt. Bei leichten bis mittelschweren Depressionen kann die Behandlung oft ambulant durchgeführt werden, wobei Psychotherapie und eine Behandlung mit Antidepressiva im Vordergrund stehen. Bei schweren Depressionen ist eine konsequente medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva unverzichtbar und nicht selten eine stationäre Behandlung nötig.


In seiner Antrittsvorlesung betonte der Wissenschaftler, wie gern er in Leipzig tätig ist: „Was hier in Leipzig auf mich wartet, ist hochattraktiv. Unsere Klinik steht in einer sozialpsychiatrischen Tradition, die ich selbstverständlich fortsetzen möchte. Da passt es hervorragend, dass auch meine eigenen Schwerpunktaktivitäten in diesem Bereich liegen.“ Neu etabliert werden soll die neurobiologische Forschung. Dabei geht es darum, mit Verfahren der Hirnfunktionsdiagnostik, zum Beispiel der Elektroenzephalografie (EEG), der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) oder der transkraniellen Magnetstimulation (TMS), Mechanismen von Krankheiten wie affektive Störungen, Zwangsstörungen und Demenzen zu klären und so neue Behandlungswege zu ermöglichen. Doch nicht nur die Forschung, sondern auch die klinische Seite wird von Professor Hegerl sorgfältig geplant. „Wir wollen den überregionalen Schwerpunkt auf die Behandlung von Patienten mit depressiven Erkrankungen, Zwangsstörungen und Demenzen setzen. Dazu gibt es in Leipzig mit den Stationen, der Tagesklinik und den Ambulanzen bereits hervorragende Bedingungen“, so der neue Direktor.


Prof. Dr. Ulrich Hergerl studierte Medizin in Erlangen und ging danach für ein Jahr nach Frankreich. Wieder in Deutschland arbeitete er an der FU Berlin zunächst als Assistenz-, später als Oberarzt. 1994 ging er als C3-Professor für Psychiatrie an die Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit Dezember 2006 ist er Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie am Universitätsklinikum Leipzig. Seit 1999 ist er Sprecher des Kompetenznetzes Depression und seit 2004 der Leiter der „European Alliance against Depression“. Der 53-jährige Psychiatrie-Professor ist verheiratet und Vater zweier Töchter.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.