Archiv Juli 2013

Die Suche nach neuen Biomarkern für die Alzheimer-Diagnose geht weiter 

Die Alzheimer-Erkrankung ist die häufigste Ursache für eine Demenz weltweit und durch einen beträchtlichen Verlust von Nervenzellen und deren Verbindungen gekennzeichnet. Einhergehend mit dem massiven Substanzverlust des Gehirns kommt es im Verlauf der Erkrankung zu Persönlichkeitsveränderungen und Gedächtnisverlust, bis hin zum völligen Verlust der kognitiven und motorischen Fähigkeiten. Morbus Alzheimer ist neuropathologisch durch das Auftreten verschiedener intra- und extrazellulärer Eiweißablagerungen gekennzeichnet.

Die meisten bisher verfügbaren diagnostischen Methoden erkennen eine „mögliche“ Alzheimer-Erkrankung nur bei fortgeschrittenem Krankheitsbild und verfügen nicht über genügend Sicherheit. Die Etablierung von neuen biochemischen Markern und ihre Kombination mit bereits vorhandenen Markern zur Früherkennung von AD ist demnach ein primäres Ziel in der Alzheimerforschung.

In den letzten Jahren wurde die Gewebstransglutaminase, ein Kalzium-abhängiges, Protein-vernetzendendes Enzym, als ein möglicher Alzheimer-initiiernder Faktor und damit als potenzieller frühdiagnostischer Marker beschrieben.

Um diese Hypothese zu untersuchen, wurden Hirn- und Liquorproben von Alzheimer- und Kontrollpatienten analysiert. Dazu wurden vergleichende Untersuchungen der Gewebstransglutaminase-konzentration, ihrer Aktivität und Lokalisation im Hirn-gewebe durchgeführt. Erstaunlicherweise konnten keine Veränderung der Konzentration und der Enzymaktivität in den Alzheimerproben nachgewiesen werden. Auch ein immunhistologischer Zusammenhang zwischen der Gewebstransglutaminase und der Alzheimererkrankung war nicht nachweisbar. Es wurde festgestellt, dass nicht -sichtbare Einblutungen (Hämolyse), ein häufig störender Einflussfaktor bei der Ermittlung von Parametern in der Laboratoriumsmedizin, im Liquor cerebrospinalis zu falsch-positiven Ergebnissen führen, da Erythrozyten die Gewebstransglutaminase im hoher Konzentration enthalten.

Die erhaltenen Befunde widerlegen die Vermutung, dass die Gewebstransglutaminase einen Marker für die Alzheimerdiagnose darstellen könnte.

Tissue transglutaminase is not a biochemical marker for Alzheimer's disease.

Wolf J, Jäger C, Lachmann I, Schönknecht P, Morawski M, Arendt T, Mothes T.

Institute of Laboratory Medicine, Clinical Chemistry, and Molecular Diagnostics, University Hospital, Leipzig, Germany.

Neurobiol Aging. 2013 Jun 5.
doi:pii: S0197-4580(13)00206-6. [Epub ahead of print]

Abstract
Typical hallmarks of Alzheimer's disease (AD) are pathologic deposits in cortical and subcortical regions consisting of self-aggregated proteins such as amyloid-beta (Aβ) or tau. Tissue transglutaminase (tTG) catalyses calcium-dependent cross-linking between proteins (transamidation) resulting in protease-resistant isopeptide bonds. Because of this ability, tTG was suspected to participate in AD pathogenesis. Aβ and tau can be cross-linked by tTG in vitro. In AD neocortex, messenger RNA expression of tTG is increased. However, data on transamidation in AD specimens-activity of not only tTG but also other transglutaminases-are contradictory. The aim of our study was to investigate if tTG is involved in AD development and may be useful as biomarker for AD. We studied human brain samples for tTG concentration, tTG localization, and transamidation activity and cerebrospinal fluid (CSF) for tTG content by novel sensitive and highly specific methods. Neither tTG concentration nor transamidation was increased in AD brain homogenates. Immunohistologically, we found no colocalization of tTG in neocortex sections with tau or Aβ deposits but with blood vessels. Only in rare cases, tTG was detectable in CSF samples. This could be attributed to liberation from erythrocytes. Our data contradict the view that tTG is a potential biochemical marker for AD.