Ablauf einer Transplantation am Universitätsklinikum Leipzig

Sind alle Untersuchungen in Vorbereitung auf die Transplantation durchgeführt worden (Evaluation) und in der interdisziplinären Transplantationskonferenz die Indikation bestätigt und Kontraindikationen ausgeschlossen worden, werden Sie durch das Transplantationsbüro bei Eurotransplant für die Transplantation angemeldet und kommen auf die Warteliste. Die Organvergaberichtlinien (Allokation) sind für jedes Organ unterschiedlich.


Leber

Die Organzuteilung bei der Lebertransplantation erfolgt nach dem so genannten MELD-Score (MELD = Model of End Stage Liver Disease). Der MELD-Score wird berechnet aus den Bukltwerten (Bilirubin, Kreatinin und dem Gerinnungswert INR).

Für bestimmte Erkrankungen, bei denen der MELD-Score die Schwere der Erkrankung nicht abbildet, gibt es Ausnahmeregelungen (z.B. das hepatozelluläre Karzinom in Zirrhose, die Zystenleber, seltene Stoffwechsel-Erkrankungen).

Eine besondere Situation stellt das akute irreversible Leberversagen dar.

Niere

Anhand eines gesetzlich geregelten Auswahlverfahrens werden den Patienten nach einem Punktesystem zur Verfügung stehende Spendernieren zugeteilt. Die individuelle Punktevergabe ist unter anderem abhängig von der Wartezeit, der Übereinstimmung der Gewebemerkmale sowie der geografischen Lage von Empfänger- und Spenderzentrum.


Vor der Operation

Sollte ein geeignetes Organ für Sie zur Verfügung stehen, werden Sie von uns benachrichtigt und stationär aufgenommen. Bevor Sie in den Operationssaal gebracht werden, gibt es einige abschließende Untersuchungen wie eine Blutuntersuchung, EKG und eine Röntgen-Aufnahme des Thorax.

Im Operationssaal erfolgt die Einleitung der Narkose. Parallel dazu wird das angenommene Organ überprüft und für die Transplantation vorbereitet.


Die Operation

Lebertransplantation

Nach der Einleitung der Narkose werden Sie steril abgedeckt. Die Bauchwand wird eröffnet und die kranke Leber entfernt.  Anschließend wird die gesunde Leber eingepflanzt und die versorgenden Gefäße miteinander verbunden. Der normale Gallefluss wird wieder hergestellt. Die Funktion des Organs und der Gefäße wird überprüft und die Bauchdecke wieder verschlossen. 

Nierentransplantation

Nach der Einleitung der Narkose werden Sie steril abgedeckt. Die Bauchwand wird eröffnet und die Spenderniere in das kleine Becken des Empfängers übertragen. Nach  dem Anschluss der Gefäße des Transplantats an die Beckengefäße wird der Harnleiter in die Harnblase eingenäht. Die beiden eigenen Nieren verbleiben in der Regel im Körper und werden nicht entnommen.


Nach der Operation

Nachdem die Operation abgeschlossen ist, werden Sie auf die Intensivstation verlegt. Dort werden alle wichtigen Organe Ihres Körpers und Ihr Allgemeinzustand kontinuierlich überwacht und untersucht. Ein professionelles Team von Chirurgen, Anästhesisten, Nephrologen bzw. Hepatologen, Radiologen und speziell ausgebildeten Pflegekräften kümmert sich intensiv um Sie.

Nachdem Sie aus medizinischer Sicht eine stabile Situation erreicht haben, werden Sie auf die chirurgische Normalstation verlegt und interdisziplinär betreut (Chirurgie und Hepatologie bzw. Nephrologie). Während Ihres Aufenthalts auf der Normalstation werden Sie weiterhin medizinisch überwacht und betreut.

Auf der Normalstation bekommen Sie die Möglichkeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Wir informieren Sie und schulen Sie für das Leben mit einem transplantierten Organ, den Umgang mit den notwendigen Medikamenten und anstehende Untersuchungen. Ihr Transplantationsteam steht Ihnen stets zur Seite.


Die Operation ist gut verlaufen - wie geht es nun weiter?

Immunsuppression - Medikamente zur Unterdrückung des Abwehrsystems

Ihr körpereigenes Abwehrsystem wehrt sich gegen das als „fremd" erkannte neue Organ. Medikamente, die diese Abwehrreaktion unterdrücken, sind Immunsuppressiva. Ohne Immunsuppressiva würde das transplantierte Organ von bestimmten Körperzellen abgestoßen.

Die immunsuppressiven Medikamente müssen dauerhaft und regelmäßig eingenommen werden. Es stehen heutzutage zahlreiche Medikamente zur Verfügung, die unterschiedlich je nach Verträglichkeit und Stand der Wissenschaft kombiniert werden können und Abstoßungsreaktionen meist zuverlässig verhindern.

Das erste (halbe) Jahr nach der Operation

Nach Abschluss der Transplantation können Sie in Ihren Lebensalltag zurückkehren. Ihr geschwächtes Immunsystem muss aber ihrerseits immer bedacht werden. Achten Sie bei der Arbeit und der Ernährung immer auf die Hygiene.

Die hohen Dosen an immunsuppressiven Medikamenten schützen das transplantierte Organ vor Abstoßung, beeinträchtigen auf der anderen Seite die Abwehr von Keimen. Harnwegsinfektionen oder Lungenentzündungen oder Infektionen mit Herpes-Viren oder Pilzen, beispielsweise in Mundhöhle und Speiseröhre können auftreten. Auch eine früher durchgemachte Tuberkulose kann reaktiviert werden.

Der Langzeitverlauf

Regelmäßige Arztbesuche bei verschiedenen Fachärzten und dem Zahnarzt sind wichtig, um Ihren Gesundheitszustand zu überwachen und Ihnen so ein Leben mit möglichst wenigen Einschränkungen zu ermöglichen.

Bei Reisen, Alkohol und Nikotin sowie Sport müssen Sie ebenfalls Vorsicht walten lassen.

Wir informieren Sie dazu gern in unseren Sprechstunden und der Transplantationsambulanz. Zudem haben wir einen Ratgeber für das Leben mit einem transplantierten Organ zusammengestellt.

Ebenso sind regelmäßige Besuche zur Nachsorge in der Transplantationsambulanz wichtig und notwendig. Die Intervalle werden mit zunehmender Zeit nach der Transplantation immer länger. Hier erfolgt eine Feineinstellung und Optimierung der Immunsuppression, die Behandlung von Stoffwechselstörungen und des Blutdrucks. Die Nachsorge ist von großer Wichtigkeit, um einen möglichst langes Leben mit einem gut funktionierenden Transplantat zu erreichen.